KU Modell Neesen-Nammen (Pfr. Eckart Zinnke)
Vorwort
Der KU ist eines der schönsten Geschenke der Volkskirche. Für fast zwei Jahre kommt eine Gemeindegruppe regelmäßig zusammen, liest in der Bibel, spricht über den Glauben, kommt zum Gottesdienst, lernt ChristInnen kennen.
Dies ist eine ganz grosse Chance: denn wo hat man sonst flächendeckend die Menschen eines Jahrganges in der Gemeinde zusammen ?
Es ist aber auch eine Herausforderung. Eltern ( zunehmend mixed-Familien oder Alleinerziehende ) wünschen Begleitung durch die Kirche. Gemeinde soll helfen in der schwierigen Zeit der Pubertät. Der christliche Glaube soll Sinn vermitteln in der schweren Übergangszeit vom Kind zum Erwachsenen.
Gemeinde hat somit eine grosse Verantwortung: KU ist ( nachgeholter ) Taufunterricht und bereitet die, die noch nicht getauft sind, auf die Taufe vor.
Der Konfirmandenunterricht in der herkömmlichen Form ( Unterricht wöchentlich mit 1 - 1 ½ Stunden am Dienstag oder Donnerstag ) leistet vieles nicht, was wünschenswert ist und wäre. In den allermeisten Fällen ist die Bindung an die Gemeinde mit dem Tag der Konfirmation beendet. Ähnlich ist es mit dem Lesen der Bibel, dem Besuch des Gottesdienstes und mit dem Glauben. Die Ursachen sind vielfach außerhalb des KU's zu suchen. Viele Gemeinden sind aufgrund von personellen Engpässen kirchliche Versorgungseinheiten und bieten wenig Raum für gelebte Gemeinschaft im Glauben. Wir sind uns darüber im Klaren, dass mit dem von uns ausprobierten Modell nicht der KU neu erfunden wurde. Aber vielleicht ist es ja ein Versuch, der es wert ist, ausprobiert zu werden. Die Begegnung mit den jungen Menschen darf nicht leichtfertig vertan werden.
Geboren wurde dieses Modell aus der Not. Wir sahen uns mit zwei Kollegen acht Konfirmanden und Katechumengruppen konfrontiert. Somit stand am Anfang für mich eine rein praktische Überlegung: wie bekomme ich rein technisch „hin“, drei Gruppen an verschiedenen Orten und Tagen zu unterrichten. So entstand der hier vorgelegte Versuch.
Was ist anders ?
Der Unterrichtstag
Die Erteilung unter starker Beteiligung von Ehrenamtlichen
Verbindliche Teilnahme am TÜF im zweiten Jahr
Die Packer-Freizeit
Der Jugendgottesdienst
Das verstärkte Kennenlernen von Diakonie
Was ist nicht anders ?
Lernziele, Unterricht und der Lernstoff
1. Der Unterrichtstag
Herkömmlicherweise sind Dienstag und Donnerstag die Unterrichtstage. Der Unterricht dauert zwischen 60 und 90 Minuten. In den letzten Jahren habe ich eine Reihe von Schwierigkeiten mit diesen Tagen erlebt:
- Gesamtschulen haben meist auch an diesen Tagen lange Unterricht. Es kann sein, dass Jugendliche direkt aus der Schule nach der 8. Stunde zum KU kommen. Über Lernfähigkeit bzw. Motivation muss nichts gesagt werden.
- Einige Kieferorthopäden haben ihre Jugendsprechstunde gerade auf diese Zeiten am Nachmittag gelegt. Hier kommt es immer wieder zu Problemen.
- Sportvereine haben besonders in den Wintermonaten schon um 17 Uhr Training. Auch wenn die Jugendlichen und Eltern unterschrieben haben, dass all den oben genannten Dingen während des KU's kein Vorrang gilt, sind auch hier Probleme an gezeigt.
Hinzu kommt eine pädagogische Erfahrung. Viele KonfirmandInnen haben in der einen Woche schlicht und ergreifend vergessen, was Thema des Unterrichtes war. Das Anknüpfen fällt schwer; Themen und vor allem Zusammenhänge sind oft nicht mehr nachvollziehbar. Die normale Stunde am Dienstag oder Donnerstag gestaltet dann oft so:
15.00 Begrüssung - Lied - Gebet
15.10 Abfragen der Hausaufgaben
15.15 Einführung ins Thema / Gruppenarbeit o.ä.
15.50 Schlussgespräch / Gebet / Lied / Segen
Ich gehe davon aus, dass in den meisten Fällen der Unterricht so verläuft. Die effektive Lernzeit ist so arg begrenzt. Außerdem fällt an Donnerstagen der Unterricht häufiger aus ( Mai / Juni ) wegen Feiertagen und Brückentagen.
Der Samstag als Unterrichtstag bietet Vorteile. Die Jugendlichen kommen ausgeruhter in den Unterricht und sind nicht so belastet wie am normalen Nachmittag. Durch das gemeinsame Frühstück ist die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und zu kurzen Gesprächen möglich. Arzttermine liegen nicht an; ebenso gibt keine Konflikte mit Sportvereinen ( die Spiele sind meistens am Nachmittag ). Inhalte werden im Block präsentiert, können ineinander übergreifend bearbeitet; Gruppenphasen können gut eingehalten werden, längerfristige Aufgaben können eingeplant werden.
Erhöhte Disziplin erfordern die Hausaufgaben. Zu Beginn des Unterichtes bekommen die Eltern und Katechumenen eine Packer-Lern-Liste, die allen Seiten helfen soll, diesen Aspektes des Unterrichtes abzudecken. Erstaunlicherweise hat sich in der bisherigen Erprobungsphase die Kontrolle von Lernstoff und-inhalten nicht gravierend als Problem präsentiert.
Insagesamt läßt sich sagen ( dies wurde von PresybterInnen, Konfis und Eltern bestätigt), dass der KU einmal im Monat am Samstagmorgen vom Termin her sich bewährt hat.
Zeitrahmen: 8.30 - 12.30 Uhr
8.30 - 9.00 UhrFrühstück
9.00 - 915 UhrLieder Andacht Gebet
9.15 - 9.30 UhrHausaufgaben abfragen
9.30 - 10.15 UhrUnterrichtseinheit 1
10.15 -10.20 UhrPause
10.20 - 11 UhrUnterrichtseinheit II
11.00 - 11.10 UhrPause
11.10 - 12 Uhr Unterrichtseinheit III
12.00 - 12.15 UhrAufräumen und Abspülen
12.15 . 12.30 UhrAbschluß in der Kirche ( Lieder, Gebet , Segen )
2. Die Ehrenamtlichen
Sie spielen bei diesem Konzept eine wichtige Rolle. Sie sprachfähig zu machen, zu ermutigen und zu begleiten ist eine wichtige Aufgabe des Pfarrers. Zur Zeit arbeiten im KU-Team sechs Jugendliche ( 15-18 Jahre ) und der Pfarrer mit. Die Aufgaben der Jugendlichen sind: musikalische Begleitung ( Klavier/Keyboard, Gitarre, Schlgzeug ) der neueren Lieder, Leitung von Kleingruppen/ Arbeitsgruppen. Außerdem ist ihr Zeugnis ( Glaube/Christus ist mir so wichtig, dass ich an diesem Projekt teilnehme ) nicht zu unterschätzen. Vom Pfarrer, Jugendwart, PresbyterIn erwartet man dies. Es wird so - wenn es gut läuft - Vertrauen aufgebaut, dass dann in weiteren Arbeitsfeldern vertieft werden kann ( Jugendgruppe, Jugendgottesdienst, Freizeit ).
3. Verbindliche Teilnahme am TÜF
TÜF - das ist die TürmchenFraktion = Jugendtreff von 12 - 16 Jahren. Hier - im Rahmen des CVJM - treffen die Jugendlichen Teil auf die Mitarbeiter, die sie schom vom „Packer“ herkennen. Zum anderen lernen sie hier neue MitarbeiterInnen kennen. Insgesamt achten wir darauf, dass die Belastung der ehrenamtlichen gering und Zeit für Freiräume bleibt. Im TÜF selber findet das normale Jugendgruppenprogramm statt. Im zweiten Unterrichtsjahr ist ein TÜF-Besuch im Monat verbindlich. Nach den üblichen Vorbehalten ( wer gibt schon freiwillig zu, dass es im Packer auch gut sein kannn ) kommen die meisten 2x im Monat. Hierbei ist wichtig: es findet eine Verzahnung mit dem normalen Gemeindeleben statt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige der Jugendlichen auch nach ihrer Konfirmation weiter am Gemeinde/CVJM-Leben teilhaben, ist so grösser.
4. Die Packer-Freizeit
Sie ist einer der Höhepunkte im Unterricht. Gemeinsam mit dem Amt für Jugendarbeit, den Kirchengemeinden Lerbeck und Kleinenbremen geht es in die Bückeberge. 150 Konfis und Mitarbeitende sind dann für drei Tage zusammen. Die Freizeit steht unter einem Thema. Die Jugendlichen können hier erleben, wie christliches Leben in einer grossen Gemeinschaft gelebt werden kann.
Die Teilnahme an dieser Freizeit ist verbindlich. Wer den Preis nicht bezahlen kann, bekommt die Fahrt von der Gemeinde finanziert. Die Teilnahme darf an diesen Dingen nicht scheitern.
5. Der Jugendgottesdienst
Der Jugendgottesdienst ist aus der letzten Packer-Fahrt entstanden. Da es im Team zu unterschiedliche Vorstellungen ( Altersstruktur, inhaltliche Fragen, Auswahl des Liedgutes etc. ) gab, ist das Projekt „ Ein Jugendgottesdienst für die Region Porta Nord“ vorerst gescheitert. In Neesen/Nammen wird er aber auf jeden Fall fortgeführt.
Der Besuch im JuGo ( sechs im Jahr am Sonntag um 18 Uhr ) kann gegen den normalen Gottesdienst getauscht werden. Die Jugendlichen in unserem Bezirk haben „ihren“ Gottesdienst angenommen.
6. Das Kennenlernen der Diakonie
Diakonie ist vielleicht ein Steckenpferd des Neeser Pfarrers. Seit meiner Kindheit ( geboren in Gadderbaum/Bethel ) ist mir dieses Feld kirchlicher Arbeit sehr wichtig. An zwei Orten lernen die Konfis Menschen mit verschiedenen Handycaps kennen und erfahren, wie sich Christen gerade um diesen Menschen kümmern.
Im Anschluss an die Besuche im Wittekindshof und in Bethel steht noch eine gemeinsame Unternehmung auf dem Programm. Mitarbeitende aus der Gemeinde, PresbyterInnen und Packer-MitarbeiterInnen nehmen an diesen Fahrten teil ( H20, Ishara). Der Gemeinschaftsaspekt wird so gefördert. Unterschiedliche Generationen lernen sich kennen.